Natur pur, Stille, Achtsamkeit und „Tanzende“ im Grünen!

9. Juli 2017

Die Freitagsgruppe I des TSC Royal Lahnstein trifft sich mit dem „NABU“ auf der Schmidtenhöhe.

Es ist warm, sonnig, wenige Menschen zu sehen, ein kleiner Fußmarsch bis zum Treffpunkt mit dem Naturschutzbund. Zwei Damen und ein Trecker mit Planwagen stehen für uns bereit.  Der Vorstand Herman Kißling und Elisabeth Loboda haben sich um die Organisation gekümmert und schon geht es los. Im Planwagen ein derber Holztisch mit eingefrästen Löchern für Gläser, denn es schaukelt schon auf dem befestigten Fahrstück, noch bevor wir in das wirkliche Gelände hineinfahren. Es geht zur Besichtigung eines gelungenen Naturschutzprojektes. Das ehemalige Panzerübungsgelände der Bundeswehr ist zu einem Reservat gewandelt worden. Beide ehrenamtliche Begleiterinnen Petra Lübbert und Chantal Knopp verstehen es mit Herz und Überzeugung uns diesen Wandel näher zu bringen. Wir hören von seltenen Vogelarten, etwa dem Wendehals, der seinen Kopf so drehen kann, dass sein Feind ihn mit einer Schlange verwechselt und deshalb von ihm ablässt. Wie erleben Frösche, wie die seltene Gelbbauchunke und Tiere, deren Namen ich schon vergessen habe. Wir sehen in völlig natürlichem Wachstum reiche Blumen und Kräutervielfalt, sogar Orchideen. Eine halboffene Weidelandschaft, so die offizielle Bezeichnung des Projektes. Wir merken die Luft auf der Höhe der Hügel, die die Hitze ein wenig neutralisiert, vor allem in Waldstücken mit ihren schattigen Hängen. Der Trecker hält immer wieder mal an, um etwa die Tümpel sehen zu können, in denen neues Leben entsteht, weil sie immer wieder mal mit alten Panzern durchfahren werden, um den Boden zu verdichten, damit das Wasser nicht versickern kann. Dann ein besonderer Halt auf einem Waldweg. Zunächst sehen wir nichts. Unsere Begleiterin ruft verschiedene Namen, wiederholt sie auch mehrfach. Dann staunen wir. Langsam und zielgerichtet bewegen sich starke Körper von Stieren mit glänzendem Fell und breitem ausladenden Gehörn auf uns zu. Sie wittern den Korb mit altem Brot. Kleine Kälber sind in der Nähe ihrer Mütter mit dabei. Die Tiere leben hier oben völlig frei und werden medizinisch durch Tierärzte betreut. Die Aufsichtsdirektion überprüft Ernährung und Tierhaltung. Die Ohrnummern müssen stimmen und bei einer nötigen Schlachtung kommt das Amt und misst die Einschussstelle am Kopf exakt nach und überprüft wie das Tier behandelt wird. Die Stiere sind überraschend friedlich und zutraulich. Allerdings dürfen wir nicht in die Nähe der Neugeborenen kommen. Das sehen die Mütter gar nicht gern. Schließlich trabt langsam und behäbig der Bulle herbei. Die pure Kraft, der sich alle weiblichen Tiere irgendwie hingeben. BX wird er genannt, weil AX vor kurzem aus Altersgründen verendet ist.

Wir steigen wieder ein, laben uns an Leckereien, Käsewürfen, Chips, Broten, Obst und Getränken, ein richtiger Ausflug. Dann schaukeln wir weiter und vorbei an genau und präzise hergestellten Nistkästen für die vielfältige Vogelwelt. Allein fünf Sorten von Spechten werden uns benannt. Unterwegs sehen wir einen Fangstand, in den die Tiere gemütlich hineingehen, ohne Angst. Mit Sichtschutz, sanften Handbewegungen und körperlicher Präsens leiten die Betreuer die Tiere zur jährlichen Blutentnahme hinein in die Gatter, langsam und geduldig. Deshalb seien die Tiere auch so ausgeglichen. Dann wieder ein Halt, runter von Wagen, wieder die Rufe von Namen. Jetzt kommen die halbwilden Pferde, die mit kleinen Fohlen fröhlich und zutraulich in unsere Richtung traben. Ein richtiges Erlebnis, wenn die Tiere freiwillig, ohne Zwang ganz nah kommen und ihren Kopf manchmal unter unsere Schulter stecken. Drumherum Grasland, Hügelgelände und Stille. Gewirr von Schmetterlingen und Libellen. Das kleine Fohlen legt sich einfach hin und streckt sich in der Sonne. Alles vor der Tür auf der Höhe zwischen Lahnstein und Koblenz, in direkter Nähe der Umgehungsstraße, die, ohne dass wir sie hören, nach Montabaur führt. Vor kurzem hatte ein Tierfeind mit dem Messer einige Stuten verletzt und die Pflegerin musste die Tiere wochenlang antiseptisch behandeln. Das macht uns mit betroffen. Trotzdem war es ein glücklicher Tag mitten in der Natur. Von einer militärischen Nutzung zum Naturschutz, ein beeindruckendes Projekt. Auf der Rückfahrt habe ich noch einige der Pflanzen im Kopf. Johanniskraut, Natternkopf, Rheinfarn, weiße Schafgarbe, Wollgras, Klee, Margeriten, Ginster, Storchenschnabel, die hellblaue Wegwarte, das gelbe Labkraut, Baldrian und die außerordentlich seltene rosafarbene Tausendgüldenkraut. Irgendwie ein Tag der Achtsamkeit und Verlangsamung. Übrigens, Tänzerinnen und Tänzer kennen nicht nur die gesunde Wirkung des Tanzens in Sachen Kondition, Koordination, Rhythmus und Herz- Kreislauftraining, Demenzvorbeugung, sondern wissen auch um die Resonanz der Natur, die Menschen gesund erhält.

Text: Dieter Loboda
Bilder: Hannes Kölle